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„Intertextualität. Vom Zitat bis zur Anspielung in Texten der deutschen Sprache vom 8. bis zum 18. Jahrhundert“ // Internationale Fachtagung im Juni 2019 an der TU Dresden

Internationale Fachtagung

Intertextualität. Vom Zitat bis zur Anspielung in Texten der deutschen Sprache vom 8. bis zum 18. Jahrhundert

Technische Univerität Dresden

13. bis 15. Juni 2019

Organisation: Rainer Hünecke

Call for Papers

Neben den Merkmalen Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität und Situativität ist allgemein als siebentes Merkmal das der Intertextualität als eines der grundlegenden Merkmale von Textualität anerkannt. Ganz allgemein geht man davon aus, dass ein Text niemals allein existiert. Es besteht immer ein Bezug eines Textes auf einen anderen Text. Texte sind in diesem Sinne Teile eines Diskurses (vgl. Foucault 1974). Sie sind „Repräsentanten einer seriell organisierten Praxis“ (Warnke 2000, 2).

Der Begriff „Intertextualität“ wurde 1967 aus poststrukturalistischer Perspektive von der Literaturwissenschftlerin Julia Kristeva geprägt. Ausgehend von der Konzeption der Dialogizität Michail Bachtins entwickelt Kristeva die Vorstellung von der Existenz mehrerer Texte in einem Text. Der Text wird nicht mehr als ein abgeschlossenes Gebilde betrachtet, sondern als Teil eines Diskurses und damit als etwas Veränderliches. Mit dieser Vorstellung geht einher, dass sich der Text als ein Gebilde an sich auflöst. Der Text wird als „Intertext zur Schnittstelle intertextueller Bezüge“ (Bußmann 2002, 317).

Für die Textlinguistik hat insbesondere Holthuis (1993) den Begriff der Intertextualität nutzbar gemacht: Intertextualität als unmittelbare Beziehung von Texten innerhalb einer Textsorte und Intertextualität als Bezugnahme direkter oder indirekter Art von Texten auf „Prä-Texte“. Bei einer unmittelbaren Bezugnahme von Texten aufeinander werden diese Beziehungen durch unterschiedliche sprachlichen Phänomene markiert. In diskursiven Bezügen von Texten unterschiedlicher Art müssen diese intertextuellen Bezüge erschlossen werden und sind möglicherweise „nur noch“ als thematische Bezüge nachweisbar.

Empirische Studien zur Intertextualität erfolgten in erster Linie aus literaturwissenschaftlicher Perspektive an der Literatur der Moderne. Daneben gibt es eine Reihe von Arbeiten zur Intertextualität aus der Sicht der literaturwissenschaftlichen Frühneuzeitforschung. Mit der geplanten Tagung wird das Ziel verfolgt, aus dezidiert sprachhistorischer Perspektive Modelle und Forschungsergebnisse der literaturwissenschaftlichen und frühneuzeitlichen Intertextualiätsforschung sowie der gegenwartssprechlichen textlinguistischen Forschung hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf einzelne Textexemplare, Textsorten und Diskurse zu prüfen und auf textuelle Überlieferungen aus dem Zeitraum vom 8. bis zum 18. Jahrhundert anzuwenden.

Wir bitten darum, Ihre Vortragsankündigung bis zum 30.09.2018 an folgende Adresse einzureichen: rainer.huenecke@tu-dresden.de.

Literatur:

Bußmann, Hadumod (2002): Intertextualität. In: Lexikon der Sprachwissenschaft. Hg. von Hadomud Bußmann. Stuttgart, S. 317.

Fauser, Markus (2002): Intertextualität und Historismus in der Lyrik des 19. Jahrhundert. In: Literatur und Geschichte. Ein Kompendium zu ihrem Verhältnis von der Aufklärung  bis zur Gegenwart. Hg. von Daniel Fulda. Berlin, S. 391-410.

Fix, Ulla (2000): Aspekte der Intertextualität. In: Text- und Gesprächslinguistik. HSK 16.1. Berlin, New York, S. 449-457.

Foucault, Michel (1974): Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt/M.

Frauke Berndt und Lily Tonger-Erk (2013): Intertextualität. Eine Einführung. Berlin.

Genette, Gérard (1993): Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Stuttgart.

Grübel, Rainer (1983): Die Geburt des Textes aus dem Tod der Texte. Strukturen und Funktionen der Intertextualität in Dostoevskijs Roman ‚Die Brüder Karamazov‘ im Lichte seines Mottos. In: Dialog der Texte. Hamburger Kolloquium zur Intertextualität. Hg. von Wolf Schmidt und Wolf-Dieter Stempel. Wien, S. 2005-271.

Holthuis, Susanne (1993): Intertextualität. Aspekte einer rezeptionsorientierten Konzeption. Tübingen.

Kristeva, Julia (1967): Bakhtine, le mot, le dialogue et le roman. In: Critique 23, S. 438-465.

Kühlmann, Wilhelm und Wolfgang Neuber (1994): Intertextualität in der Frühen Neuzeit. Studien zu ihren theoretischen und praktischen Perspektiven. Frankfurt/M.

Meyer, Herman: Das Zitat in der Erzählkunst. Zur Geschichte und Poetik des europäischen Romans. Stuttgart 1967.

Voß, Andrea (2016): Reisen erzählen. Erzählrhetorik, Intertextualität und Gebrauchsfunktionen des adligen Bildungsreiseberichts in der Frühen Neuzeit. Heidelberg,

Warnke, Ingo (2000): Diskursivität und Intertextualität als Parameter sprachlichen Wandels. Prolegomena einer funktionalen Sprachgeschichtsschreibung. In: Schnittstelle Text/Diskurs. Hr. von Ingo Warnke. Frankfurt/M., S. 215-22.

 

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